Die unendliche Geschichte
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Es hört einfach nicht auf und schuld sind immer alle anderen. Vor allem die Versuchung des Bösen, die den schwachen Menschen - vor allem den Träger des heiligen Gewandes - fehlen lässt.

Alle paar Wochen wird ein neuer Fall des sexuellen Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen hinter den moralischen Mauern der katholischen Kirche gemeldet. Immer wieder sind es die Bollwerke gegen den Freigeist und vor allem gegen den sündigen Sex, die durch eben das auffallen, was sie von der Kanzel herab dauernd verteufeln. Interessanterweise begehen diese Herren dazu noch die Übergriffe, die in der Gesellschaft seit jeher als die übelste Form des Missbrauchs von Menschen gilt: Befummeln und vergewaltigen von Heranwachsenden.

Es ist wirklich eine unendliche Geschichte. Die amerikanische Abteilung des Vatikans ist schon seit Jahren in eindeutigem Verruf, in Irland treiben Bischöfe seit Jahren ihr Unwesen und neuerdings geraten gar die Jesuiten, die intellektuelle Phalanx der katholischen Denke in die Bredouille. Man kommt kaum noch nach mit dem Bemühen, den Kotz-Reflex zu bekämpfen.

Geradezu beängstigend kommt einem die Äußerung des Piusbrüder-Bischofs Williams vor. Er ergeht sich in seinem Internet-Blog über die Frauen als Solche. Sie seien "weniger als Nullen" und st
nden "unter der Gewalt des Mannes": "Er soll Herr ber dich sein." Dieser Mann, der bekanntlich den Holocaust leugnet, verarbeitet mit solchen Ungeheuerlichkeiten seine tiefe Angst vor der Sexualität und dem weiblichen Geschlecht. Und "unser" Papst in Rom versucht mit intensiven Bemühungen, diese erzkonservative katholische Sekte wieder unter die Fittiche des Vatikans zu bekommen. Na denn, viel Erfolg.

Nun hat sich der Vatikan doch tatsächlich mal quasi offiziell zu dem Drama mit den Jesuiten zu Wort gemeldet. Der Sprecher der Uraltherren-Clique wurde in den Nachrichten wie folgt zitiert: "Vatikan unterstützt scharfe Verurteilung der sexuellen Übergriffe auf Schüler."

Brav, denkt man vielleicht erstmal. Dann beginnt man, über diese Worte nachzudenken. Es fällt einem ein, dass dies seit langer Zeit mal eine klare und eindeutige Äußerung zu diesem grausigen Thema ist. Normalerweise sind wir alle es gewohnt, dass wir aus diesen Kreisen keine Stellungnahmen zu hören bekommen, dass so gut wie immer versucht wird, den Mantel des Schweigens über solche Unappetitlichkeiten zu legen, dass man den Opfern nicht nur nicht hilft und sie unterstützt sondern sie zum Schweigen zu bringen versucht. Und jetzt also dieser Spruch.

Ist es nicht eine Selbstverständlichkeit, dass man sexuelle Übergriffe auf Schüler verurteilt? Warum muss der Vatikan-Sprecher das hier plötzlich so deutlich betonen?

Die Antwort darauf kann sich jeder von uns selbst geben. Und seine eigenen Konsequenzen ziehen.

A.S (03.02.10)