
Auf dem Bild rechts (© DBT/Elke Schwalbach) sehen Sie den Bundestagsabgeordneten Jörn Thießen von der SPD. Laut Beschreibung auf der Seite des Deutschen Bundestages ist er von Beruf Pastor, Direktor und Professor a.D.
Dieser schon von Berufs wegen "Mehr-Wissende" als der normale Bürger in Deutschland hat der "Bild"-Zeitung ein Interview gewährt und hatte dabei die Gelegenheit, sich über die von ihm erdachten Konsequenzen aus der schlechten Wahlbeteiligung auszulassen. Folgende Quintessenz aus des Mannes Hirn entstand dabei:
"Wir Politiker müssen im Parlament abstimmen, das kann man auch von den Wählern bei einer Wahl verlangen. Wer nicht zu einer Wahl geht, sollte 50 Euro Strafe zahlen. Demokratie ohne Demokraten funktioniert nicht."
Aha, denkt sich der brave Bürger, manchen unserer grundsätzlich doch hoch verehrten Volksvertreter scheint es gründlich die Suppe versalzen zu haben. Hat doch tatsächlich die Mehrheit der Bürger/innen dieses unseres Landes die Frechheit, ganz einfach die Wahlen zu schwänzen, nicht hinzugehen, von seinem Recht NICHT gebrauch zu machen.
Das - denkt sich vermutlich der Herr Thießen - kann doch so nicht bleiben! Ergo gibt es für ihn nur die brachiale Konsequenz: Bist Du nicht willig, Bürger, dann brauch' ich Gewalt in Form einer Geldstrafe.
Was ist das denn wieder für eine Kopfgeburt eines weltfremden und verblendeten Berufs-Politikers? Was geht denn tatsächlich in den Köpfen mancher dieser Leute wirklich vor? Ticken die eigentlich noch richtig? Fragen über Fragen.
Auf Telepolis, einer Webseite des Heise-Verlages, hat sich eine Bloggerin namens Bettina Winsemann so ihre Gedanken zu diesem "Vorschlag" des Herrn Thießen gemacht. Hier einige Zitate daraus:
"Meine letzte Grillparty war auch eher mäßig besucht, nur bin ich leider kein Politiker, der deshalb gleich medienträchtig nach einer Pflicht zum Besuch der nächsten Party rufen kann...
...Lieber Herr Thießen - das Wahlrecht ist ein Recht und auch eine Nichtwahl ist durchaus ein Zeichen innerhalb der Demokratie. Wenn Sie dies nicht zu deuten wissen, ich kann gerne aushelfen...
...Eigentlich sollte so mancher froh über diejenigen sein, die nicht zur Wahl gegangen sind. Das, liebe Politik, ist auch ein Teil der Demokratie. Und gäbe es z.B. eine Möglichkeit, sein Kreuzchen bei "ich vertraue niemandem von diesen Leuten" zu machen, wer weiß, wie die Wahlbeteiligung dann wäre?...
...Die Wahlpflicht als Lösung für die Politikerverdrossenheit der Menschen zu sehen ist in guter alter Tradition (nicht nur) der SPD zu sehen. Ob die "Nazisperren"von Büssow, die Kinderpornosperren von von der Leyen, die Parasitendebatte eines Clement... wegschauen und ablenken, die leuchtend roten Warnsignale abdecken und so tun als gäbe es da keine Zug, der immer näher kommt. Liebe SPD (ihr habt schließlich mit der Wahlpflicht angefangen, was nicht heißt, dass andere Parteien besser sind): die Bevölkerung hat von ihren demokratischen Rechten durchaus Gebrach gemacht. Nur seht ihr die Schrift an der Wand nicht, sondern stellt einen Sichtschutz davor. Euer Pech."
Soweit einige kleine Zitate aus dem Blog.
Die Erkenntnis, dass immer mehr Menschen hier einfach keine Partei mehr sehen, der sie ihre Stimme geben können, diese Erkenntnis will und will nicht in die Funktionärs-Hirne dringen. Es wäre aber dringend nötig.
Setzen, Herr Thießen, sechs. Man schämt sich insgesamt heimlich für solche idiotischen Vorschläge.
A.S (10.06.09)
P.S.: Hier noch der Link zum zitierten Blog