Querschuss

Wesentlich realistischer scheint dann wohl doch die Einschätzung des Finanzministers Steinbrück zu sein, auch wenn er damit nun für erhebliche Verunsicherung in den eigenen Reihen gesorgt hat.
SPIEGEL ONLINE meldet heute folgendes:
"Bei einer Diskussionsrunde in Hamburg, die am Dienstag in Auszügen als Video auf stern.de gezeigt wurde, sprach er sich offen für eine Fortsetzung der Großen Koalition aus. Für die im Wahlprogramm der SPD festgehaltene Wunschoption, die Ampelkoalition mit den Grünen und der FDP, sehe er kaum Chancen. Er rechne damit, dass die Liberalen eine Ampel noch vor der Wahl ausschließen würden, sagte der SPD-Vizechef. >>Also geht es für die SPD darum, Schwarz-Gelb zu verhindern, also geht es für die SPD darum, sich in dieser (Großen) Koalition wiederzufinden<<, so der Minister. Zwischen SPD und Union gebe es inzwischen >>mehr denn je<< Gemeinsamkeiten, die eine Fortsetzung des Bündnisses rechtfertigten. >>Ich erachte die Risiken für SPD in der Opposition für viel größer - auch durch einen Überbietungswettbewerb durch die Linkspartei.<< Im Übrigen würde er mit Kanzlerin Angela Merkel gut zusammenarbeiten. >>Ich habe viele positive Erfahrungen gemacht<<, so der SPD-Politiker. >>Das, was wir unter vier Augen besprochen haben, blieb unter vier Augen.<<"
Na das ist doch schön, Steinbrück also auch auf großen Kuschelkurs in Richtung Angela Merkel und CDU.
Aber, das Problem ist, dass es niemand innerhalb der Partei gar so deutlich sagen wollte in der Öffentlichkeit. Und jetzt ist die Verwirrung recht groß und man kann wohl davon ausgehen, dass Steinbrück heftig in die Kritik geraten ist.
Und er schloss nahtlos die Dementi-Routine an:
"Wir kämpfen dafür, Schwarz-Gelb zu verhindern. Wir suchen nicht die Große Koalition, schließen sie aber auch nicht aus. Wenn es für Rot-Grün nicht reichen sollte, ist die Ampel für uns eine Option. Dabei kommt es dann auch auf die FDP an. Frank-Walter Steinmeier ist der bessere Bundeskanzler. Dafür streiten wir."
Zurück ins Glied, zurück ins Wischi-Waschi-Format, ins sowohl als auch.
Wenn es denn laut Steinbrück zwischen SPD und CDU mehr denn je Gemeinsamkeiten gibt, mehr offentichtlich als mit der Linken, dann wäre es allmählich wirklich an der Zeit, sich dazu zu bekennen.
Ehrlicher wäre es auf jeden Fall. Und der ständig beschworene Wähler wüsste, woran er ist.
A.S (15.09.09)