Ich bin ein Dieb!

Letztens war ich in einem großen Elektronik-Laden, hab ein wenig herumgestöbert und bin schließlich bei den Handys gelandet. Eines von diesen Dingern hat mir unglaublich gut gefallen, es stach mir quasi regelrecht ins Auge. Und dann merkte ich, dass das Gerät wohl nicht an die elektronische Diebstahls-Sicherung angeschlossen war, hat man entweder vergessen oder was auch immer. Naja, das Teil hätte mich regulär 498,- € gekostet, ein Haufen Geld. Könnte ich mir ja an sich leisten, aber: Ich bin doch nicht blöd und schließlich ist Geiz geil.

Kurz und gut, ich hab’ mich schnell mal umgesehen, die Gelegenheit war günstig, ich das Handy unauffällig in die Innen-Brusttasche meines Anoraks gesteckt und schwupp-di-wupp, ich hatte es für umme. Bin dann noch kurz mal betont leger umhergestiefelt, dann zur Kasse und nach Ansage des Nichts-Kaufes nach draußen. Und hier hat dann das Problem angefangen.

Ich hatte gerade mein Auto aufgeschlossen, als mich ein Typ angesprochen hat. Ob ich denn nicht ehrlich sein wollte, er hätte mich beobachtet, wie ich das Handy eingesteckt hatte und bezahlt hätte ich es auch nicht. Er finde das einfach nicht in Ordnung, wenn man auf diese Art
einkaufe‟, da müsse man sich dann auch nicht wundern, wenn alles überall immer teuerer werde, letztlich würden Diebe uns alle, die Gesellschaft an sich, schädigen.

Naja, es war mir natürlich mehr als peinlich, klar. Und er hatte sich mein Kennzeichen aufgeschrieben und würde mich auf jeden Fall melden, wenn ich mich nicht selbst anzeigen würde. Ich wurde nun kurz stutzig und auf meine Frage hin meinte der Mann, wenn ich mich eben selbst anzeigen würde, dann würde ich nicht bestraft. Ich müsste das Handy zurückgeben oder ordentlich bezahlen und wäre alle Probleme los.

Mein Gewissen rappelte vor Begeisterung, mein Puls raste vor Erleichterung, als ich wieder zurück in den Laden marschierte und den zuständigen Verkäufer ansteuerte. Mit knallrotem Kopf und stotternd vor Verlegenheit sage ich ihm, ich wolle eine Selbstanzeige machen. Leider hat das aber nicht so funktioniert, wie ich es mir vorgestellt hatte.

Der langen Rede kurzer Sinn: Ich landete schließlich auf dem Polizeirevier und habe nun eine Anzeige wegen Ladendiebstahls am Hals. Und der Schutzmann hat mich dann auch aufgeklärt, dass es den Begriff der Selbstanzeige im deutschen Strafrecht gar nicht gebe. Ich würde da wohl einiges durcheinanderbringen, diese Möglichkeit des sich Davonmogelns gäbe es nur im Steuerrecht, genauer im § 371 der Abgabenordnung.

Hätte ich also z.B. 5 Millionen Euro wie auch immer, auf jeden Fall an der Steuer vorbei, in die Schweiz oder nach Liechtenstein transferiert und würde erwischt, dann würde ich entsprechend bestraft. Wenn ich aber, bevor das Finanzamt überhaupt Wind davon bekommen hat, von sich aus eine Selbstanzeige erstatte, dann werde ich nicht bestraft. Ich versteuere also meine 5 Mio offiziell und alles ist in Butter.

Komische Sache das. Irgendwie stimmen da doch die Relationen nicht, oder? Keine Frage, ich habe geklaut, ich bin ein Dieb. Ich habe eine Strafgebühr beim Elektronik-Laden bezahlt und ich werde nun auch einen Strafbefehl vom Richter bekommen. Und das alles, obwohl ich mich selbst angezeigt habe, also reuig war und bedauere. Und 498,- € ist viel Geld, klar.

Wie ist das dann aber mit dem Steuerflüchtling? Da geht es um viel mehr Geld und es geht letztendlich auch nur um eine spezielle Art von Diebstahl. Warum wird der dann aber nicht für seine Tat bestraft wie auch ich für die meine bestraft werde?

Verstehen Sie das? Ich nicht.

brusella (19.02.10)