Meine
liebe Schwan...
Die Gesine hat´s zum zweiten Mal versemmelt. Nein, seien
wir objektiv und fair: Nicht Gesine hat es nicht geschafft,
sie sollte es tatsächlich auch nicht schaffen.
Frau Schwan ist Mitglied der SPD, allerdings ein sehr
selbstbewusstes, das sich von niemand den Mund verbieten
lassen will. Diese Frau ist unbestritten hochintelligent,
sie kann sich schriftlich und auch verbal äußern, für sie
ist die Partei nur eine Facette ihres Lebens und keineswegs
etwas, dem man alles andere unterzuordnen hat. So
betrachtet war sie den Sozialdemokraten schon immer suspekt
weil unbequem.
Die Frau hat sich noch unter der Regentschaft von Kurt Beck
als Kandidatin für das Bundespräsidenten-Amt gemeldet. Als
der Pfälzer dann aber entnervt das Handtuch warf, war
vieles, was er mit und an der SPD „angerichtet“ hatte,
nichts mehr wert. Und dazu zählte eben auch die Kandidatin
Schwan.
Franz Müntefering als amtierender Chef der Sozis und auch
die meisten Damen und Herren innerhalb der Partei-Führung
haben in den vergangenen Monaten mehr oder weniger deutlich
gemacht, wie wenig Solidarität sie in Gesine Schwan zu
investieren bereit sind. Sie musste also alleine und
deutlich kaltgestellt um Stimmen und Sympathie werben, was
ihr möglicherweise vor allem innerhalb der eigenen Partei
am wenigsten gelungen ist.
Die Kandidatin hat sich immer wieder mal alles andere als
stromlinienförmig und All-Parteien-Konform geäußert. Sie
wurde dafür verständlicherweise von den Schwarzen und den
Gelben geprügelt, vor allem jaulte aber ihre eigene Partei
im stillen Kämmerlein auf, wie immer in panischer Angst
davor, in welcher Art auch immer in die Nähe der Linken
gerückt zu werden.
Eine beispiellose Form der Realitätsverweigerung hat die
herrschende Koalition in Berlin gezeigt, als sie die
Warnung von Schwan und dem DGB-Vorsitzenden Sommer vor
möglichen sozialen Unruhen in Deutschland als Panikmache
abtat. Anstatt endlich mal konkrete Maßnahmen zur Bewahrung
(und teilweisen Wiederherstellung) der sozialen
Gerechtigkeit einzuleiten, macht man sich in Berlin zum
Ziel, schnellstmöglich wieder die Zustände herzustellen,
wie sie vor der Krise waren. Inklusive Hätschelung der
Großbanken und verantwortungsloser Spekulation auf Kosten
des Steuerzahlers.
Nun hat es Gesine also zum zweiten Mal versemmelt. Und
glückliche Gesichter sieht man überall, vor allem bei der
SPD. Münte strahlt über alle Backen, lobt urplötzlich die
Frau Schwan über den grünen Klee. Das erwähnte Strahlen des
Parteichefs ist der Tatsache zu verdanken, dass die Schwan
es NICHT geschafft hat. Denn das hätte sie tatsächlich nur
mit den Stimmen der Linken hinbekommen. Und wenn schon
wenig geht: Das geht auf keinen Fall. Keiner im
Willy-Brandt-Haus ist scharf darauf, die verlogenen und
heuchlerischen Angriffe der Schwarzen kontern zu müssen -
sie, die Schwarzen, haben sich die Blockflöten gleich nach
der Vereinigung still und leise einverleibt. Und wenn es
daran gelegentlich mal Kritik gibt, dann wird das auf
gewohnt belehrende Weise abgeschmettert.
Ach übrigens: Frau Schwan strebt auch weiterhin kein Amt
innerhalb der SPD an. Man kann´s ihr nicht verdenken.
A.S (24.05.09)