Das
Narrenschiff fährt weiter

Das gilt allerdings nur für die so euphemistisch benannte "5. Jahreszeit". Ansonsten tummeln sich andere Narren weiter und unermüdlich auf der politischen Bühne in Berlin und in den einzelnen Bundesländern. Und dieser "Humor" ist erheblich schlechter konsumierbar als all die Karnevalsjecken und Pappnasen, die uns lange Zeit verfolgt haben.
Was sich die FDP seit Beginn der so heiß ersehnten Koalition mit der CDU/CSU geleistet hat und weiter leistet, spottet jeder Beschreibung. Allen voran plustert sich der abgebildete Herr Westerwelle auf, Vorsitzender einer Chaoten-Truppe, die vor lauter Seligkeit über die Regierungsbeteiligung immer öfter vergisst, ihre ungenierte Politik für die Besserverdienenden dieser Republik zu tarnen.
Guido W. führt sich auf wie eine Knallcharge, plustert sich auf wie ein Gockel und ist total auf Krawall gebürstet. Mit seiner Hetze gegen die Schwächsten im Land hat er bewiesen, wie unsozial und klientelorientiert sein Verein in Wahrheit ist. All das Geschwätz im Wahlkampf, dass er mit bravem Blick abgesondert hatte, war die direkte Folge von kiloweise Kreide, keineswegs einer politischen Überzeugung. Was tut man nicht alles, um an die Macht zu kommen?
Zwischenzeitlich haben auch W.'s Spießgesellen in der eigenen Partei zumindest teilweise erkannt, wie schlimm und verheerend sein Auftritt ankommt, wie die Umfragewerte der FDP dramatisch abstürzen.
Natürlich haben die angeblich so liberalen einfach Angst davor, dass ihre verehrte und wenn es sein muss auch eiskalt kalkulierende Angela Merkel sehr schnell die Arme öffnet für die Grünen. Erste Signale in diese Richtung hat Umweltminister Röttgen mit unverhohlener Zustimmung der Kanzlerin in Sachen Ende der Atomkraftwerke schon gesendet und die Grünen hören das wohl. Guido W. dagegen tobt und geifert, er weiß, wohin das führen könnte.
Westerwelle spricht von "spätrömischer Dekadenz" im Zusammenhang mit angeblicher Übertreibung bei der Sozialversorgung. Dabei merkt er anscheinend gar nicht, wie sehr er danebenliegt. Die von ihm genannte Dekadenz ging nicht von der Mehrheit der Bevölkerung im alten Rom sondern von den damals Mächtigen und Privilegierten aus. Daraus kann man folgern, dass die heutige FDP mit ihrem Neoliberalismus sehr konsequent den alten Römern nacheifern möchte.
Vielleicht merken allmählich Viele, die diese Partei gewählt haben, was das für Folgen hat.
Vielleicht sehen sie sich auch die Gestalten an, die von der FDP auf Regierungsposten gehievt worden sind.
Was ist dieser Herr Brüderle für ein Wirtschaftsminister, wenn er andauernd Seifenblasen zu Gunsten einer kleinen aber mächtigen Schicht aufsteigen lässt, um dann vom Koalitionspartner auf den Boden der Realität zurück geholt zu werden?
Was ist von Gesundheitsminister Rösler zu halten, der an eine Gesundheitspolitik glaubt, die die Kleinen eindeutig und nachweislich übervorteilt? Da hilft auch sein zuckersüßes Grinsen nicht mehr weiter.
Und dann der Dirk Niebel, ein Typ der das Ministerium leitet, dass seine Partei noch vor der Wahl abschaffen wollte.
Unsäglich diese Partei und ihre in erster Reihe stehenden Pappnasen. Der einzige Lichtblick scheint die Justizministerin Leutheusser-Schnarrenberger zu sein, eine der wenigen aufrechten echten Liberalen. Man kann ihr nur vorwerfen, dass sie mit den anderen Gestalten in ihrer Partei gemeinsame Sache macht.
Wir dürfen alle gespannt sein, wie die nächste Landtagswahl in NRW ausgeht. Und darauf hoffen, dass das neoliberale Narrenschiff gekapert und versenkt wird.
A.S (17.02.10)