Kuschelrunde

Schon seit Wochen wurden wir in ständig wiederkehrenden Vorankündigungen in den beteiligten öffentlich-rechtlichen und privaten Sendern auf dieses angebliche Mega-Ereignis hingewiesen, manipuliert und massiert. Es musste bei vielen der Eindruck entstehen, wer dieses "Duell" versäume, der sei einfach nicht informiert und auf dem Laufenden.
Aus der Sicht der Fernsehsender mag das durchaus in Ordnung sein, sie lauern alle auf die Einschaltquoten und begründen damit den Sinn ihrer Existenz oder - bei den Privaten - den Preis der Werbeminute. Was aber haben sich die Strategen der beteiligten Parteien gedacht, was schwirrte in den Hirnen von Merkel und Steinmeier herum? Schwer zu verstehen.
Da standen sie nun vor 4 Fragestellern, die Blazer-Merkel und der rote Häuptling Silberlocke. Sie teilten brav Freundlichkeiten aus, sie lobten sich gegenseitig für die tolle und erfolgreiche Zusammenarbeit in der großen Koalition, es war die Harmonie pur. Als Zuschauer ist man entweder eingeschlafen, hat weggezappt (fragt sich nur wohin, es lief ja fast nichts anderes) oder aber hat sich am Ende gefragt, warum die Schwarzen und die Roten nicht gleich fusionieren. Damit blieben uns dann für die Zukunft wenigstens solche künstlich hochgeschraubten "TV-Duelle" erspart.
Unterschiede? Naja, gut, also Atomkraftwerke, Mindestlohn, Gesundheitsreform und, äh, war sonst noch was? Ach ja, die SPD giftet die CDU wegen der von denen versprochenen Steuererleichterungen leise an. Aber keine Bange, das regelt sich alles nach dem 27. September. Man war ja auch mal gegen die Erhöhung der Mehrwertsteuer, lang ist´s her und alles schon längst wieder verziehen und vergessen.
Klar war auch die Agenda 2010 unumgänglich, was auch die Merkel explizit für ihre Partei bekräftigte und nicht vergaß, deren Zustimmung zu betonen. Schröder, Pardon: Steinmeier, steht eisern zu dieser Reform mit all ihren Folgen. Man fragt sich bei dieser Gelegenheit, warum die SPD derzeit so gegen Schwarz-Gelb wettert. Die können Neoliberal noch besser, aber klar, die Roten wollen halt auch mit auf den Spielplatz.
Ach, wie gut tut es, mal wieder was von einem Henning Scherf zu hören. 70 Jahre und ein bisschen weise, der alte SPD-Bürgermeister von Bremen. Er hat in seinem neuen Buch Bilanz gezogen und die sieht nicht rosig aus:
"Im Nachhinein sehe ich, dass die Reformen Kummer über die Menschen gebracht haben. Wir hätten uns viel stärker gegen den neoliberalen Sog der anderen Parteien stemmen müssen...Ohne den Solidaritätsgedanken verliert die SPD ihre Legitimation."
Ja, ja, immer diese alten Sozialromantiker, gell? Aber keine Angst, Ihr Zukunftsgewandten: Schröder II und Opa Münte werden dafür sorgen, dass alles bleibt, wie es ist. Entweder durch Bedeutungsverlust oder in einer weiteren großen Koalition.
Nach der gestrigen Kuschelrunde zur besten Fernsehzeit spricht einiges dafür.
A.S (14.09.09)