Hirngrippe
Manchmal - in den letzten Jahren allerdings vermehrt - ist die Wirklichkeit der Satire deutlich überlegen. Man darf sich bei solchen Ereignissen dann ernsthaft befragen, ob die Leute, die solchen Schwachsinn in die Welt gesetzt haben, vielleicht auch mal überlegt haben, ein satirisches Kabarett zu gründen. Man kann es ihnen nur empfehlen.

Wir alle schauen nur noch wütend, brüllend vor Lachen, verzweifelt über so viel Geschmacklosigkeit oder in welcher konkreten Gemütsverfassung auch immer (jeder sucht sich bitte seine eigene heraus) in die Zeitung, das Internet oder auf den Fernseh-Schirm. Da galoppiert derzeit ein an sich freundliches Tier mit Steckdosen-Rüssel durch die aufgescheuchte Presse-Landschaft und sucht verzweifelt nach einem Unterschlupf. Leider hat sich die deutsche Öffentlichkeit für das Wort "Schweinegrippe" entschieden, als vor nicht allzu langer Zeit ein neuer Influenza-Virus sich ausgerechnet dieses Fleisch-Liefer-Tier als Wirt ausgesucht hat. Wiederholte Versuche der Tagesschau, die Erkrankung als "Neue Grippe" zu betiteln, schlugen bis heute fehl. Armes Hausschwein.
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Das "Logo" links (© http://dieweltwieichsiesehe.wordpress.com/) ist kein Offizielles, sollten unsere Damen und Herren in Berlin jedoch demnächst so etwas brauchen, wäre es ihnen durchaus zu empfehlen. Es stellt auf grafisch eindrucksvoll komprimierte Weise den alltäglichen Wahnsinn der momentanen Grippe-Impfung-Pandemie-Diskussion dar. Vielleicht müsste man das stilisierte Gesicht des dargestellten Schweines etwas mehr in Richtung Mensch umändern, um dem armen Tier wenigstens etwas Gerechtigkeit zukommen zu lassen.

Seit Monaten fragt man sich als durchschnittlich aufgeklärter Leser und Konsument der täglichen Verdummungs-Maschinerie Bundesrepublik, was man uns denn nun eigentlich sagen will mit den immer gefährlicher klingenden Warnungen vor dieser neuartigen Grippe-Art. Wir lesen, dass Jahr für Jahr wesentlich mehr Menschen an der "normalen" Influenza sterben, und das trotz (oder etwa wegen?) der immer wieder propagierten Impf-Programme. Wir erfahren weiterhin, dass diese Schweine-Grippe bis dato harmloser verläuft als eben die "normale" Grippe. Aber - Achtung, Gefahr!!! - diese neue Grippe könnte ja mutieren, sich drastisch verändern und viel, viel aggressiver werden.
Klar, könnte sie. Das können die bisher bekannten Grippe-Viren auch und sie tun das Jahr für Jahr. Was fangen wir Nicht-Pharmakologen mit solch einer Information an? Nicht allzu viel, es sei denn, wir bilden uns auch noch dazu ein, dass morgen ein riesiger Asteroid auf die Erde donnert. Dagegen allerdings gibt es keine Impfung.

Unsere Bundesregierung, der Herr möge sie erleuchten, hat nun also 50 Millionen Impf-Dosen bestellt. Die taktisch klugen und zur rechten Zeit von den Herstellern propagierten Warnungen nach dem Motto "Wer zu spät kommt, den bestraft die Grippe, das Schwein..." haben ihren Zweck erfüllt und zu gigantischen Sonder-Gewinnen geführt. Die hektische Neuentwicklung eines Serums mit ungewissen Folgen hat somit auch ihr "Gutes".

Taktisch ziemlich ungeschickt ist jedoch die Tatsache, dass man für den gewöhnlichen Bürger ein chemisch aufgehübschtes Präparat mit einer Art Booster, für höher gestellte Persönlichkeiten aus dem wichtigeren Menschheits-Teil aber einen anderen Cocktail geordert hat. Und jetzt wundert man sich da oben in der Herrschafts-Etage, dass ein großes Geschrei anhebt. Als ob die Tatsache der Zwei-Klassen-Medizin eine wirklich neue Erkenntnis wäre.

Unsere Bundes-Angela, zur Zeit eh mit Guido und seinen Spieß-Gesellen im Koalitions-Clinch verheddert, hat schon angekündigt, sie werde sich mit dem Normalo-Stoff impfen lassen. Da geht sie denn also mit leuchtendem Beispiel voran, bravo Mutti.

So sind wir also alle wieder frohen Mutes und lassen und brav piksen. Oder?

A.S (20.10.09)