Politische Halbgötter
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Mögen Sie Ihren Arzt, sind Sie mit seiner Behandlung zufrieden, hat er/sie Ihr vertrauen? Wenn das so ist, dann wollen wir Sie nicht verunsichern. Denn tatsächlich sind die Meisten von uns mit ihrem Arzt/in zufrieden und verlassen sich auf sie.

Eine andere Frage allerdings ist es, ob man von seinem Arzt erwartet, dass er/sie versuchen darf, einen als Bürger dieses Landes und als erwachsenen und politisch interessierten Menschen in parteilicher Präferenz zu beeinflussen.

Natürlich werden Sie nun, das sei einfach mal unterstellt, empört reagieren und solches Ansinnen, von medizinischer Seite aus betrieben, zurückweisen.

Exakt diese politische Beeinflussung findet aber tatsächlich statt, hier bei uns in Deutschland.

Da gibt es eine Homepage im Internet (
klicken Sie hier) die sich Facharzt betitelt und hinter der offenbar viele deutsche Mediziner stehen. Laut Impressum wird das Portal betrieben von

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Ärztenachrichtendienst Verlagsgesellschaft mbH
Kattjahren 4
22359 Hamburg
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Das alleine ist sicherlich keiner besonderen Meldung oder Erwähnung wert. Viel interessanter und zugleich skandalöser wird es, wenn man auf der Startseite den Link "Material zum Wahlkampf im Wartezimmer" anklickt.
Sie haben richtig gelesen, es geht tatsächlich um Wahlkampf im ärztlichen Wartezimmer.

Man landet auf einer weiteren Seite, auf der dem Herrn Doktor, der Frau Doktor, Plakate in mehreren Größen und in verschiedenen Sprachen zu Download kostenlos angeboten werden. Zwei dieser Plakate haben wir mal hier bei uns eingestellt. Beachten Sie bitte jeweils links unten das freie Feld in welches man doch bitte seinen Praxisstempel abdrücken möge.

Die lieben Halbgötter in Weiß fordern da ihre Patienten dazu auf, weder CDU noch SPD zu wählen, denn 15 % wären für diese Parteien genug.

Nun kann man Kanzlerin Merkel, Gesundheitsministerin Schmidt oder den SPD-Experten Lauterbach mögen oder es auch bleiben lassen. Man kann auch beide Parteien als solche völlig für sich selbst ablehnen und etwas beliebig anderes wählen.

Durchaus kritisch wird es jedoch, wenn Mediziner, eine Berufsgruppe die jeder von uns immer wieder mal braucht und die ein hohes Ansehen in der Bevölkerung hat, politische Einflussnahme propagieren und aktiv betreiben.

Wie ist es mit dem Berufsethos zu vereinbaren, wenn diese Leute, die sich teilweise wohl als völlig unzureichend entlohnt betrachten, nun also ihre Kollegen dazu auffordern, solche Manipulations-Plakate auszudrucken und in ihre Wartezimmer zu hängen?

Im dazugehörigen Text heißt es u.a. wörtlich:
"Niedergelassene Ärzte verdienen politisch gewollt so wenig, dass sie wirtschaftlich nicht berleben können." Natürlich ist dieser Text nicht auch für den Aushang gedacht, er wendet sich nur und ausschließlich an den/die Kollegen/in. Man kann sich vielleicht dort vorstellen, dass die kranke Rentnerin oder der Hartz IV-Empfänger durchaus registriert haben, welches große und teuere Auto der Herr/Frau Doktor fährt. Und damit auch bis dato im Wesentlichen keine Probleme hatten.

Ideal wäre es, wenn jede/r Patient/in die Praxen mit solcher Plakatierung unter entsprechendem Hinweis verlassen würde.

Wir brauchen keine weiteren politischen Halbgötter. Es gibt schon genug Politiker, die sich insgeheim so fühlen.

A.S (17.09.09)