Der
Dolchstoß lebt
Alte Männer
begeben sich auf den Dachboden der Geschichte, wühlen
in verstaubten Erinnerungen und finden letztlich das,
was sie gesucht haben und was ihre Panik und
Verzweiflung zu beruhigen scheint. Dabei merken sie
allerdings schon lange nicht mehr, dass sie Opfer der
eigenen Verbohrtheit und Verbissenheit sind, dass sie
gar nicht mehr in der Lage sind, ihre geliebten
Scheuklappen abzunehmen und sich selbst einen offenen
Blick zu erlauben.

Oben steht
er, der alte Mann der SPD, der Sauerländer Sturkopf,
er breitet seine Arme aus als wolle er all die
Genossen umarmen und einladen. Aber er hat keine
neuen Ideen mehr und muss deshalb das alte und längst
abgelaufene Parteibuch des Oskar Lafontaine
hervorkramen. So kommt der Chef der Linken zu neuen
und unverhofften Ehren.
In einem Interview mit der "Zeit" hat Müntefering einen Rundumschlag gestartet und über Oskar gegiftet:
"Er hat die Partei verlassen, dann verraten und anschließend ganz gezielt gegen uns organisiert. Lafontaine hat die linke Mitte in Deutschland beschädigt, aus niederen persönlichen Motiven."
So werden Dolchstoßlegenden gebastelt. Ein alter Mann wirft einem anderen alten Mann Verrat an gemeinsamen politischen Ideen vor, schlimmer noch, er wirft dem Anderen Niederträchtigkeit aus persönlichem Ehrgeiz vor.
Geradezu goldig und entlarvend einäugig kommt dann die Erkenntnis über die angebliche "linke Mitte" Deutschlands, die es tatsächlich vor Schröder nicht gegeben hatte, um die man derzeit aber (noch?) beherzt buhlt. Müntefering merkt dabei gar nicht, wie sehr er damit Lafontaine nachträglich in seinem Austritt aus der SPD bestätigt. Der war nämlich der Erste innerhalb der damaligen Parteiprominenz, der Schröders Nähe zur Wirtschaft und Entfremdung von der Stammklientel bemerkte und zwar erschreckend spontan aber im Nachhinein betrachtet einzig konsequent handelte. Diese "linke Mitte", diese Schimäre wollte Lafontaine nicht. Die angebliche "sozialdemokratisierung" der CDU bestätigt ja nur, wie sehr die SPD sich in die dumpfe und seelenlose "Mitte" begeben hat.
Müntefering verübelt Oskar die gute Organisation und den Aufbau der Linken in den alten Bundesländern:
"Da ist viel an Wählerschaft abgezogen, was wir nicht mit vergleichbar populistischen Antworten hätten halten können"
Auch hier wieder eine unbeabsichtigte Selbsterkenntnis. Populismus war immer schon Lafontaines Stärke, auch und sehr deutlich als Vorsitzender der SPD. Da war das aber, rückwirkend betrachtet, völlig in Ordnung. Nun aber punktet er in seiner neuen Partei mit ehemaligen SPD-Überzeugungen, bekommt Zuspruch und Wählerabwanderung von der SPD und wird also als Populist beschimpft. Ein Schelm, der Böses dabei denkt.
Schließlich appelliert Müntefering an seine Partei, sich offensiv zu den vergangenen elf Regierungsjahren zu bekennen:
"Dieses Stück ist in der Geschichte der SPD ein stolzes Stück und ein gutes Stück."
Da wird nun also heldenhaft, trotzig und allen Stimmen- und Vertrauensverlusten widersprechend, darauf bestanden, dass die mühselig aufrecht erhaltene Legende vom Segen der Agenda 2010 bestehen bleibt.
"Ich behaupte doch nicht von mir, dass ich ohne Fehl bin. Aber ich halte das für eitle Egozentrik, damit hausieren zu gehen. Das geht mir gegen den Strich. Diese Art von demonstrativer Selbstkasteiung lehne ich ab. Da sage ich mal jetzt, was für ein schwacher Mensch ich bin und was ich alles falsch gemacht habe. Ich erstatte Selbstanzeige - wie peinlich."
Da sage noch einer, dass Alter und Weisheit zusammengehören. Müntefering belegt, dass es leider auch genau umgekehrt sein kann, dass Alter in sehr vielen Fällen zu Starrsinnigkeit und Rechthaberei führt.
Wahrhaft peinlich ist, wie dieser Mann im Brustton der Überzeugung jegliche Fehleinschätzung von sich weist, alle Schuld anderen Individuen zuschiebt und seine Hände in Unschuld wäscht.
A.S (15.10.09)
In einem Interview mit der "Zeit" hat Müntefering einen Rundumschlag gestartet und über Oskar gegiftet:
"Er hat die Partei verlassen, dann verraten und anschließend ganz gezielt gegen uns organisiert. Lafontaine hat die linke Mitte in Deutschland beschädigt, aus niederen persönlichen Motiven."
So werden Dolchstoßlegenden gebastelt. Ein alter Mann wirft einem anderen alten Mann Verrat an gemeinsamen politischen Ideen vor, schlimmer noch, er wirft dem Anderen Niederträchtigkeit aus persönlichem Ehrgeiz vor.
Geradezu goldig und entlarvend einäugig kommt dann die Erkenntnis über die angebliche "linke Mitte" Deutschlands, die es tatsächlich vor Schröder nicht gegeben hatte, um die man derzeit aber (noch?) beherzt buhlt. Müntefering merkt dabei gar nicht, wie sehr er damit Lafontaine nachträglich in seinem Austritt aus der SPD bestätigt. Der war nämlich der Erste innerhalb der damaligen Parteiprominenz, der Schröders Nähe zur Wirtschaft und Entfremdung von der Stammklientel bemerkte und zwar erschreckend spontan aber im Nachhinein betrachtet einzig konsequent handelte. Diese "linke Mitte", diese Schimäre wollte Lafontaine nicht. Die angebliche "sozialdemokratisierung" der CDU bestätigt ja nur, wie sehr die SPD sich in die dumpfe und seelenlose "Mitte" begeben hat.
Müntefering verübelt Oskar die gute Organisation und den Aufbau der Linken in den alten Bundesländern:
"Da ist viel an Wählerschaft abgezogen, was wir nicht mit vergleichbar populistischen Antworten hätten halten können"
Auch hier wieder eine unbeabsichtigte Selbsterkenntnis. Populismus war immer schon Lafontaines Stärke, auch und sehr deutlich als Vorsitzender der SPD. Da war das aber, rückwirkend betrachtet, völlig in Ordnung. Nun aber punktet er in seiner neuen Partei mit ehemaligen SPD-Überzeugungen, bekommt Zuspruch und Wählerabwanderung von der SPD und wird also als Populist beschimpft. Ein Schelm, der Böses dabei denkt.
Schließlich appelliert Müntefering an seine Partei, sich offensiv zu den vergangenen elf Regierungsjahren zu bekennen:
"Dieses Stück ist in der Geschichte der SPD ein stolzes Stück und ein gutes Stück."
Da wird nun also heldenhaft, trotzig und allen Stimmen- und Vertrauensverlusten widersprechend, darauf bestanden, dass die mühselig aufrecht erhaltene Legende vom Segen der Agenda 2010 bestehen bleibt.
"Ich behaupte doch nicht von mir, dass ich ohne Fehl bin. Aber ich halte das für eitle Egozentrik, damit hausieren zu gehen. Das geht mir gegen den Strich. Diese Art von demonstrativer Selbstkasteiung lehne ich ab. Da sage ich mal jetzt, was für ein schwacher Mensch ich bin und was ich alles falsch gemacht habe. Ich erstatte Selbstanzeige - wie peinlich."
Da sage noch einer, dass Alter und Weisheit zusammengehören. Müntefering belegt, dass es leider auch genau umgekehrt sein kann, dass Alter in sehr vielen Fällen zu Starrsinnigkeit und Rechthaberei führt.
Wahrhaft peinlich ist, wie dieser Mann im Brustton der Überzeugung jegliche Fehleinschätzung von sich weist, alle Schuld anderen Individuen zuschiebt und seine Hände in Unschuld wäscht.
A.S (15.10.09)