SPD-Drama
Teil 2
Allmählich
werden die Stimmen derer in der SPD, die für eine
mehr oder weniger radikale Neuorientierung ihrer
Partei plädieren, immer lauter und immer deutlicher.
Plötzlich trauen sich welche aus der Deckung, denen
man bis dato kaum zugetraut hätte, dass sie eine
Reform der politischen Inhalte und Ziele vorantreiben
würden.

In einem Interview für das "Hamburger Abendblatt" meldet Scholz auch plötzlich Führungsambitionen an: "Ich bin bereit, in der Führung der SPD mitzuarbeiten. Das werde ich sowohl in der Fraktion als auch in der Partei tun." Die desolate Situation der Partei bewirkt, wie man erneut feststellen kann, dass sich Köpfe nach oben zu recken versuchen, die jetzt und eben nur jetzt ihre Chance wittern.
Interessant ist auch folgende Aussage: "Die SPD hat es mit der Reformpolitik der letzten Jahre geschafft, die Grundlagen des deutschen Sozialstaats zu sichern. Aber die Reformen waren - wenn die Bürger ihr eigenes Leben betrachten - nicht immer gut. Das aufzuarbeiten, wird unsere Aufgabe sein." Hört, hört. Allmählich macht sich Einsicht breit. Weiter so!
Und auf die Linkspartei bezogen outet sich Scholz dann als der große Tabu-Brecher: "Wir sollten uns nicht darauf konzentrieren, uns von anderen abzugrenzen."
Wie man sieht, beginnen in immer schnellerer Folge die Berührungsängste nach Links zu weichen. Nur so wird die SPD wieder auf ihre Ursprünge zurückzuführen sein. Indem sie sich offen und durchaus auch offensiv mit ihrer direkten politischen Konkurrenz beschäftigt wird sie auch mehr oder weniger automatisch zu ihren Wurzeln zurückfinden.
Nicht der idiotische Streit mit der CDU, wer denn nun die politische Mitte Deutschlands vertrete, wird weiterführen - was ja nunmehr durch die Wahl am Sonntag bewiesen sein dürfte.
Der deutsche Blätterwald geriert sich übrigens wieder bevorzugt mit dem Beschwören eines Linksrucks der SPD. Das wird allerdings in gewohnter Manier als ein mehr oder weniger kommunistisches Droh-Szenario dargestellt. Hoffentlich lässt sich die SPD nicht mal wieder in eine Ecke dirigieren, in die sie nicht gehört. Auch und gerade dann nicht, wenn sie sich auf ihre sozialdemokratischen Tugenden zurück besinnt.
Der absurde Wahlspruch der Schwarzen von vor Jahren: "Freiheit statt Sozialismus" darf nicht wiederbelebt werden. Soviel Selbstbewusstsein muss die SPD haben.
A.S (30.09.09)