Empörung
reicht nicht mehr

Auch die wiederkehrenden Vorwürfe an die Politik sind uns geläufig. Die Einen reden von der großen Ungerechtigkeit, weil man Opel geholfen hat, Karstadt aber im Regen stehen lässt. Steinmeier von der SPD macht dicke Arme und greift von Guttenberg an, weil der ständig von der Insolvenz rede. Hört sich an, als hätte der Kanzlerkandidat es lieber gesehen, wenn man auch für Karstadt Milliarden aus dem Steuertopf genommen und investiert hätte.

Nun wird spätestens mit der heutigen Presse bekannt, dass man gegen den vorherigen Arcandor-Vorstandschef Middelhoff von Seiten der Staatsanwaltschaft Essen ermittelt - wegen Untreue.
Es tauchen Namen auf wie z.B. Oppenheim/Esch-Fonds und man erinnert sich sofort, dass es die Privatbank Sal. Oppenheim ist, die gemeinsam mit der Quelle-Erbin Schickedanz große Anteile an Arcandor besitzt. Diesen Beiden wurden auch immer wieder öffentlich Vorwürfe gemacht, wonach sie nicht erst mal selbst aus ihrem Vermögen Geld investiert hätten, um Arcandor zu retten.
Und man erfährt jetzt auch, dass der erwähnte Oppenheim/Esch-Fonds vor ein paar Jahren 5 Karstadt-Häuser (u.a. auch die Karlsruher Filiale) gekauft und renoviert hat. Karstadt nutzt die Immobilien weiter, zahlt aber horrende Mieten dafür. Fachleute sprechen von 16,5 % des gesamten Umsatzes, normal und verkraftbar seien aber 5-8%.
Diese Mieten haben also letztendlich in entscheidendem Maße zur Insolvenz von Arcandor geführt.
Der Herr Middelhoff selbst hat mit seiner Frau Gemahlin in diesen Oppenheim/Esch-Fonds über 14 Millionen Euro investiert. Allerdings bevor er Chef wurde.
Trotzdem mieft es doch da schon ziemlich deftig.
Und damit wieder zurück zu den bei Karstadt Beschäftigten, die um ihre private Existenz bangen. Wenn die nun von diesen Millionen-Transaktionen gewisser Herrschaften lesen, wenn sie sich dann von der Politik im Stich gelassen fühlen, wenn sie einen unbändigen Zorn verspüren - muss man sich da noch wundern?
Ist es wirklich nicht nachvollziehbar, warum die Wahlbeteiligung immer weiter zurückgeht? Es gibt in unserer Gesellschaft eine immer größer werdende Gruppe von Menschen, die völlig ohne Skrupel für das eigene Wohlergehen über Leichen gehen. Solidarität, Ehrlichkeit, Management mit sozialer Verantwortung sind da Begriffe aus einem fremden Planetensystem.
Und unsere Politiker erzählen uns vom Äffle und vom Pferdle, verschließen die Augen vor der Realität oder aber stecken selbst bis zum Hals mit drin.
So betrachtet hat die derzeitige Krise auch ihr Gutes: Wir bekommen immer deutlicher mit, wie man uns übervorteilt hat.
A.S (12.06.09)