Gekaufte
Republik?

Dieter Althaus, Ex-Ministerpräsident von Thüringen, hat einen neuen Job gefunden. Wir dürfen davon ausgehen, dass dieser Job ihm finanziell nicht nur mehr bringt als seine derzeitige Entlohnung als Landtags-Abgeordneter sondern auch wohl erheblich mehr als das Gehalt eines MiPrä.
Althaus wirft alle eventuell vielleicht mal vorhanden gewesenen Bedenken auf die Schnelle ab: Ist das denn wirklich völlig in Ordnung aus politischer, moralischer oder ethischer Sicht, wenn ich so kurz nach der Niederlegung des Postens als Landesvater in die Industrie wechsele? Wie kommt das wohl bei der Bevölkerung an, was denken die Leute über meine jahrelang propagierten Sprüche von sozialer Gerechtigkeit, von meiner offen propagierten katholischen Überzeugung?
Schwamm drüber. Schon ab nächstem Montag wird Althaus "Vice President für den Kunden Volkswagen" beim österreichisch-kanadischen Automobilzulieferer Magna. Wir erinnern uns, das war die Firma, die unsere damals noch schwarz-rote Bundesregierung gerne als Käufer von Opel gehabt hätte.
"Ich freue mich sehr auf die Zusammenarbeit, zumal ich Magna aus meiner Zeit als Ministerpräsident gut kenne und seitdem von der außergewöhnlichen Firmenkultur und der Erfolgsgeschichte beeindruckt bin." So spricht jetzt also einer, der seine bei den Opel-Verhandlungen erworbenen Kenntnisse von Magna mit denen zusammenbringt, die er auf der politischen Bühne gewonnen hat. Und schon sein neuer Titel beschreibt recht eindeutig, was Althaus' Aufgabe sein wird: Lobby-Arbeit.
Oppositionsführer Ramelow von den Linken im Thüringer Landtag schäumt: "Diese Form des freundlichen Überwechsels verschafft den deutschen Parlamenten den Ruf der gekauften Republik." Und egal, wie man zu dieser Partei stehen mag, der Satz enthält mehr Wahrheit als alle anderen Bekundungen von Althaus und Magna.
Die Thüringer SPD sieht die Angelegenheit lockerer. Für Christoph Matschie, Vize-Ministerpräsident und Vorsitzender der Thüringer Sozialdemokraten, kommt das neue Engagement von Althaus nicht überraschend. Er selbst, Matschie, hat einen ehrenvollen Job gemeinsam mit einer auch weiterhin ehrenvollen CDU. Und schließlich hat ja ein Gerhard Schröder in der SPD schon längst vorgemacht, dass es offenbar keine Schande ist, politische Kontakte in Geld umzusetzen.
Alle zusammen in einen Sack und dann aber mit dem Dreschflegel drauf gehalten. Man wird kaum den Falschen treffen...
A.S 29.01.10