Oettinger und seine Anstalten
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Links sehen wir unseren Landesvater, den Ministerpräsidenten Günther Oettinger, wie er mit ganzen Horden und voller Hose - oder so ähnlich - im Internet für sich und angeblich auch für Baden-Württemberg kämpft.

Wir alle wissen aber natürlich auch, dass zwischen Anspruch und Wirklichkeit in Vielem und auch bei Vielen riesige Lücken klaffen können. Unser Oettinger hat sich in den vergangenen Wochen und Monaten in manchen Einzelheiten nicht gerade mit Ruhm und Weitsicht bekleckert. Er versucht zwar immer wieder mal, der Kanzlerin ans Bein zu pinkeln, das Problem ist aber meistens, dass er sich dabei selbst nur die eigene Hose nass macht.

In Sachen Porsche hat der Günther auch eine durchaus blamable Bauchlandung hingelegt, sein Parteifreund Wulff hat gemeinsam mit dem Porsche-Piech dafür gesorgt, dass es auch weiterhin dabei bleibt: Baden-Württemberg's schwarze Politikergilde kann nichts, nicht mal hochdeutsch.

Auch im eigenen Ländle ist Oettinger mehr als umstritten und das nicht nur bei der politischen Opposition. Schon alleine der CDU-Fraktionschef Mappus sorgt mit schöner Regelmäßigkeit dafür, dass Oetti immer wieder wie ein Getriebener, keineswegs wie ein Macher dasteht.

Und so hat der arme Mann nun versucht, seinen Frust abzulassen. Aber auch da hat er sich nicht so recht überlegt, was er tut, wie er es tut und vor wem er sich dabei möglicherweise blamiert.

Wer am vergangenen Donnerstag das Politmagazin "Panorama" gesehen hat, hat die Szene vielleicht noch in Erinnerung. Und der ganz aktuelle "Spiegel" bringt heute eine kleine Meldung, die sich mit dieser genannten Szene im Fernsehen beschäftigt.

Eine Journalistin des Magazins hatte sich der Frage angenommen, wieso die Bundes- und Landespolitiker sich zwar unisono und lautstark für eine Begrenzung der Bezüge der Manager und vor allem auch der Chefs der Landesbanken "verkämpft" haben, es dabei jedoch - wie so häufig bei Politiker-Ankündigungen - eben bei der Ankündigung geblieben ist. Man denke an die HSH-Bank im hohen Norden Deutschlands oder aber auch an die LBBW hier bei uns im Ländle. Und da war Oettinger ja nicht ganz unbeteiligt, als man entgegen aller großen Sprüche den neuen Chef dieser Institution mit einem fürstlichen Gehalt ausgestattet hat.

Die erwähnte Journalistin von "Panorama" hatte schriftlich um ein Interview mit Oettinger gebeten, was jedoch abgelehnt wurde. Also reiste sie dem Herrn nach ins beschauliche Horb und fragte ihn dort mit Mikrofon in der Hand nach diesen hohen Gehältern. Und nun kommt Oettinger´s medialer und inhaltlich bezeichnender verbaler Ausrutscher:

"Ich zahle Gebühren und erwarte dann, dass meine Anstalten mich in Stuttgart treffen oder in Berlin, aber nicht hier. Denn Ihre Anfahrt bezahle ich auch. Ich werde Ihren Intendanten fragen, warum die ARD hier in Horb diesen Fragen nachgehen muss."

Ja doch, das darf man gerne nochmals und in aller Ruhe lesen und auf sich einwirken lassen. Es sagt sehr viel über die Denkart des Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg aus.

Seit wann ist denn der NDR (er produziert "Panorama") Oettinger´s Anstalt? Oder müssen wir jetzt alle unsere Hirnwindungen derart neu anordnen, dass wir irgendeine fadenscheinige Ausrede nach dem Motto "so war das natürlich nicht gemeint" herauswürgen?

Das öffentlich-rechtliche Fernsehen hat laut Oettinger selbigen nur und ausschließlich innerhalb seiner "eigenen" Landesgrenzen überhaupt anzusprechen. Weil er das nämlich auch bezahlen muss, wenn die in der ganzen Republik herumreisen, die Schlingel. Auch und schließlich darf die gesamte ARD in Horb überhaupt keinen Fragen nachgehen.

Wer jetzt vielleicht ins Grübeln gerät und sich fragt, wer die mitreisenden Journalisten bezahlt, die mit Oettinger ins ferne Ausland reisen dürfen, der hat nichts verstanden. Denn das ist etwas völlig anderes, da macht der Herr Miprä für sich und auch ein bisschen für´s Ländle in Image-Pflege. Panorama dagegen fragt Sachen, die man einfach nicht hinterfragen sollte. Alles klar?

Ach Du mein lieb´s Herrgöttle! Womit haben wir DEN verdient?

brusella (10.08.09)