Oettinger
wird wegbefördert
Man hat es ja
schon irgendwo geahnt, dass unser Oetti die längste
Zeit Ministerpräsident in Baden-Württemberg gewesen
sein könnte. Irgendwie hatte man bei ihm immer das
Gefühl, er sei beim sprechen vor laufenden Kameras
ganz weit weg: Stierer Blick auf den Frager, nicht
ein Blinzeln, verkrampft und verspannt, alles andere
als souverän. Und dazu dann auch noch sein brutaler
Schwaben-Slang. Wir Badener haben das möglicherweise
deutlicher gemerkt als Mitmenschen aus anderen
Regionen, jedenfalls ist es immer eine ungeschminkte
Bestätigung des unsäglichen Spruches wonach wir in
B-W alles können außer Hochdeutsch. Oettinger hat
diesen Spruch im Blick auf die Sprache zu deutlich
bestätigt. Alles andere ist nicht gerade seine
Stärke.

Man kann "Mutti" Merkel vieles vorwerfen, eines hat sie schon mehrfach und nunmehr erneut unter Beweis gestellt - nämlich eiskalte Taktik und brutale Bloßstellung von Konkurrenten, wenn es darauf ankommt. Jetzt ist also Günther Oettinger an der Reihe.
Der Mann hat sich ja in den vergangenen Jahren wahrhaftig nicht mit Ruhm und Ehre bekleckert. Als er den Nazi-Richter Filbinger nach dessen Tod als Widerstandskämpfer umstilisieren wollte erntete er ein heftiges Dementi von Merkel und musste dann (zu Recht) kleinlaut zu Kreuze kriechen. Spätestens da fragte sich manch einer, ob das Unwissenheit oder Dummheit gewesen sei. Beides war jedenfalls eine Katastrophe.
Denken wir an den gegen die Vereinbarung überbezahlten Vorstand der LBBW, an das klägliche Auftreten im schwelenden Streit zwischen VW und Porsche - wo Wulff Oetti den Stinkefinger vor das Gesicht hielt - und Oettingers wiederholte Versuche, der Merkel die Leviten zu lesen und entgegengesetzte Forderungen zu stellen. All das hat mit mehr oder weniger krachenden Niederlagen Oettingers geendet.
Als sein Landesverband der CDU bei den EU- und Bundestagswahlen abschmierte, begannen auch bis dato absolut loyale Parteimitglieder an den Fähigkeiten und der Ausstrahlung des Mannes zu zweifeln. Ein gewisser Herr Mappus war unter den Ersten. Auch Angela Merkel konnte und wollte nicht mehr länger abwarten, auch sie muss an 2011 und die die hiesigen Landtagswahlen denken. Und so hat sie schnell und erbarmungslos gehandelt. Oettinger wußte vom ersten Moment an, er könne nicht anders als einwilligen.

Die ganze CDU im Ländle hat sich auch auffallend still und brav verhalten, sie folgt Mappus und sie ist auch bereit, wie gerade heute bekannt wird, Mappus zusätzlich den Landesvorsitz zu geben. Oettinger gibt den nämlich auch ab. Irgendwie ist der Eindruck nicht wegzuwischen, dass er in dieser verfahrenen Situation einfach den ganzen "Bettel hinschmeißt".
Schließlich darf man bei dieser Postenschieberei nicht außer Acht lassen, dass Oetingers Wahl im Europaparlament noch nicht gelaufen ist. Er ist dort nicht wirklich bekannt und muss auch mit einer Nicht-Wahl rechnen.
Wir dürfen sicher unterstellen, dass er sich dieses Risikos bewusst ist. Er geht es also mit allen Konsequenzen ein. Damit könnte es letztlich auch ein Ende seiner Politik-Karriere sein.
Wer weiß, vielleicht ist es das, was er wirklich will?
A.S (26.10.09)