Unangenehm...
Ich versuche verzweifelt, mir die Situation vorzustellen, mir auszumalen, was ich empfinden würde, wäre ich Jens Skibbe aus Obergrombach. Es gelingt mir nicht ganz. Letztlich ist das aber auch egal, denn ich muss ja nicht persönlich damit fertig werden.

Gestern habe ich die neueste Ausgabe des Brusler "Wochenblattes" im Briefkasten gehabt. Was sofort ins mehr oder weniger geneigte Auge gefallen ist, war die "Drittel-Seite" ganz vorne, eine Wahlwerbung für den offiziellen CDU-Kandidaten Florian Hartmann. Und die bestand fast ausschließlich aus einer Aufzählung von Unterstützern des OB-Bewerbers. Natürlich sind da alle schwarzen Stadträte aufgeführt und weiterhin einige mehr oder weniger bekannte Brusler Konservative.

Trotzdem: Schon eine irgendwo verzwickte Angelegenheit.
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Der Sänger aus dem beschaulichen Obergrombach hat - wie auf dem Bild links erkennbar - gemeinsam mit all den sonstigen Damen und Herren auf der Brusler CDU-Liste bei der Gemeinde- und Ortschaftsratswahl gekämpft. Und Skibbe hat sich dabei recht tapfer geschlagen, er wurde in beide Gremien gewählt.

Dass er dieses gute Wahlergebnis als Motivation versteht, sich auch für den OB-Posten zu bewerben, das kann man durchaus nachvollziehen.
Gerüchte jedoch besagen, seine "Parteifreunde" hätten ihn als möglichen OB nicht gewollt, weil er ledig ist. Das, so scheint es, passt wohl nicht ins christlich-konservative Leitbild einer Partei, die sich durchweg nach außen hin moralischer gibt, als sie tatsächlich ist.

Jedenfalls stelle ich mir schon vor, dass man ein unangenehmes Gefühl in der Bauchgegend empfindet, wenn man Jens Skibbe heißt und von der eigenen Partei so im Regen stehen gelassen wird.

Klar, da ist Skibbe nicht alleine, es gibt ja noch einen Kandidaten aus den Reihen der CDU, einen Herrn Biedermann. Nur ist der im Vergleich zum Obergrombacher ein echter Exot, einer der seiner Partei wahrscheinlich nur deshalb noch nicht den Laufpass gegeben hat, weil er sie weiter triezen und ärgern will. Die spontane Ablehnung der CDU, Biedermann zu unterstützen, beweist, wie erfolgreich der Mann darin ist.
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So richtig flau im Magen muss es aber nicht nur Skibbe werden, wenn er lesen und hinnehmen muss, das der Obergombacher "Monopol-Hausarzt", Ortschafts- und neuerdings auch Stadtrat sowie Vorsitzende des Heimatvereins, Dr. Wolfram von Müller, auch auf der Unterstützer-Liste von Hartmann im WoBla zeichnet.

Von Müller ist natürlich auch Mitglied der CDU. Irgendeine Stellungnahme von ihm zur Kandidatur von Skibbe war in der Öffentlichkeit nicht zu lesen, wie natürlich auch nicht von anderen seiner Parteifreunde.

Nur hat eben der Herr Doktor schon ein besonderes und herausragenderes Verhältnis zu seinem Obergrombacher Kollegen und noch dazu amtierenden Ortsvorsteher.

Möglicherweise haben sich die beiden Herren darüber "ausgetauscht" und nach außen hin im Sinne der politischen "Sachlichkeit und Vernunft" ein Gentlemen's Agreement geschlossen.

Dennoch kann ich mir gut vorstellen, dass es innerhalb (zumindest) der Obergrombacher CDU Viele gibt, die sich massiv ärgern. Denn unangenehm ist es einfach für alle Betroffenen.

brusella (09.07.09)