Das
Scherbel-Gericht

Es geht um Wahlfälschung und darum, dass dem Mann vorgeworfen wird, er habe keinen Hauptwohnsitz in Brusl gehabt und sei damit nicht berechtigt gewesen, sich zur Wahl als Gemeinderat zu stellen. Und das nicht nur einmal sondern jeweils in den Jahren 2004 und 2009.
Die Gewichtung des Falles durch die Staatsanwaltschaft zeigt sich schon darin, dass das Verfahren direkt an das Landgericht gerichtet wurde. Unser ach so beschauliches Brusl ist damit mal wieder in negativen Schlagzeilen auf-getaucht, dabei ist EX-OB Doll regelrecht unter-getaucht. Seine CDU bleibt aber in gewohnter Weise aktiv und sie hat dieses neue Desaster zu verantworten.

Interessant an der ganzen Affäre ist jedenfalls die Tatsache, dass der Mann 2004 noch für die FDP in die Bütt gestiegen war, dort aber scheiterte. Und es gab schon damals Hinweise und Verdachts-Momente, wonach irgendetwas mit seinem Wohnsitz in Brusl nicht koscher sei.
Also wechselte Dr. Scherbel (natürlich aus tiefster politischer Überzeugung!) geschwind die Partei, begab sich in die wohlig warmen Arme der siegesverwöhnten Schwarzen und landete prompt im Gemeinderat. Und hat jetzt ernsthafte Probleme, über die das Gericht befinden muss.
Bezüglich der Flexibilität politischer Überzeugungen ist Dr. Scherbel nun wahrlich nicht der erste und einzige Kommunalpolitiker bei uns hier. Man denke nur an wendige und geschmeidige Profis wie Friedhelm Ernst, derzeit bei der FDP, oder Matthias Holoch, den Fraktionschef der CDU. Die haben schon lange vor Dr. Scherbel bewiesen, wie wenig sich unsere etablierten Parteien letztendlich voneinander unterscheiden, wenn es um Posten und Pöstchen geht.
Das haben die Fraktionsvorsitzenden im Gemeinderat später auch sehr konkret bewiesen, als sie von der Netzzeitung bruchsal.org Ende Oktober/Anfang November 2009 um Antworten zu gestellten Fragen im Zusammenhang mit den Gerüchten um Dr. Scherbel gebeten wurden. Dabei fragte man sich schon, was im Endeffekt schlimmer war: Gar keine Antwort (von der SPD) oder das schwurbelige und völlig nichts-sagende verbale Versteckspiel der anderen Fraktionen.
Man fragt sich vielleicht auch insgeheim, was einen Menschen dazu treiben könnte, einen Hauptwohnsitz vorzutäuschen, nur um in den Gemeinderat der Stadt Brusl gewählt zu werden. Dass man dadurch nicht reich werden kann dürfte allgemein bekannt sein, schließlich ist es ein "Ehrenamt". Ist es tatsächlich die "Ehre"? Bei allem Respekt mag dies z.B. bei einem Mitglied des Bundestages nachvollziehbar sein. Aber bei einer Kleinstadt wie Brusl?
Tja, der Mensch als solcher ist schon ein seltsames und meist nicht durchschaubares Wesen.
A.S (10.12.09)