Außer Spesen
nichts gewesen
Bestimmt waren heute viele Leser der Brusler Rundschau
gelinge gesagt enttäuscht über die Berichterstattung von
Daniel Streib zur Versammlung der Brusler CDU vom 16.
September. Wir erinnern uns alle an den Rundschau-Bericht
vom 5. August in dem CDU-Chef Brüstle wörtlich zitiert
wurde:
"Da gibt es viele
Gerüchte.
Ich bin sicher, dass wir alle Vorwürfe
bei der Versammlung im September
endgültig
widerlegen können."
Und nun also dieser schwachbrüstige Artikel von heute, bei
dem kaum einer so recht weiß, was man uns Lesern eigentlich
mitteilen will. Allein schon die Überschrift, nach der die
Brusler CDU zur Sachpolitik zurückwolle, sagt schon so
einiges. Die unterschwellig laut gewordene Kritik an
einzelnen Gestalten im Partei-Vorstand, an der Entscheidung
für Hartmann als OB-Kandidat, all das war danach also wohl
nicht sachliche Politik?
Man darf und muss Herrn Streib zugute halten, dass er wohl
nicht zu dieser Alibi-Veranstaltung geladen war. Er wurde
von der stv. Stadtverbands-Vorsitzenden Diehm mit
ausgewählten Informationen gefüttert, die er natürlich in
entsprechend wohlwollender Weise drucken ließ. Jenen
Kritikastern, die da dann vielleicht ein paar Nachfragen
erwartet hätten, sei gesagt, dass so etwas in Brusl noch
nie üblich war, wenn es die CDU betrifft. Und das soll
anscheinend auch so bleiben.
Jedoch ist Licht am Horizont zu sehen. Nicht von Seiten
unserer Lokalpostille, mitnichten, nein von der
neuen Brusler
Internet-Zeitung. Hier ist die
Zusammenfassung von mehreren Augen- und Ohrenzeugen
nachzulesen, die an der Sitzung teilgenommen haben. Und
daraus wird doch ziemlich deutlich klar, wohin der
berühmte Hase in dieser Brusler Partei läuft. Die
farblich gekennzeichneten Text sind wörtliche Zitate aus
Bruchsal.org.
Die
Sitzungsleitung lag bei Werner Stark und Günter Brüstle.
Bevor Herr Brüstle über den Findungsprozess berichtete, las
er ein Schreiben von Oberbürgermeister Doll "auf dessen
ausdrückliche Bitte" vor. In diesem Schreiben bat Doll sein
Fehlen "aus naheliegenden Gründen" zu entschuldigen und
ermahnte die CDU zur Rückkehr zur Geschlossenheit zum Wohle
der Stadt. Außerdem verabschiedete sich Bernd Doll von der
CDU, der er Jahrzehnte treu gedient
habe.
Man kann sich dazu schon von Anfang an so seine Gedanken
machen und kommt dabei evtl. zum Schluss, dass Herr Doll
mal wieder in dem Moment kneift, wo er seinen Einfluss
nicht mehr durchsetzen kann. Etwas rätselhaft sind die von
ihm angesprochenen "naheliegenden Gründe" (kann man da
womöglich interpretieren, dass er entscheidend an der
Nominierung Hartmanns gedreht hat?), als eingefahrenes
Ritual sind seine Sprüche über die Geschlossenheit der
Schwarzen zum berüchtigten Wohl der Stadt zu sehen. Und nun
lässt der große Diener der Partei selbige alleine im Regen
stehen.
Schön und vielsagend auch der Satz, in dem die Antwort von
Jens Skibbe zur Frage auf seine Kandidatur formuliert ist:
So führte er
aus, dass die ihm nicht gewährte Unterstützung ihm
gegenüber ausschließlich mit seiner Jugend und fehlenden
Bürgermeistererfahrung begründet worden sei. So sei
letztlich zu erklären, dass er doch angetreten sei, als die
CDU sich für einen Bewerber ausgesprochen habe, der in
genau diesen Aspekten augenscheinlich noch hinter seinen
Qualifikationen zurückblieb.
Eine wahrhaft gut sitzende Maulschelle für bestimmte Leute,
oder?
In weiteren
Kommentierungen mit und ohne Wortmeldungen waren im Gefolge
noch Bemerkungen von "Satzungsmist" und "auf der Satzung
herumreiten" zu hören. Ex-Staatssekretär Heckmann sprach
von "juristischen Spitzfindigkeiten", die angesichts der
verlorenen Wahl belanglos seien.
Schon eine recht seltsame Einstellung einer "Volkspartei"
zu Gesetzen, Vorschriften und Justiz im Allgemeinen. Vor
allem von einem ehemaligen Staatssekretär.
Fritz Georg
Kessler aus der Bruchsaler Südstadt bezeichnete das
Verhalten von Olaf Bühler und den Leserbrief von Michael
Vettermann als Frechheit und Ungezogenheit gegenüber den
handelnden Personen.
Hier meldet sich dann doch wieder das gesunde
Volksempfinden zu Wort und fordert die Akzeptanz der
uralten Leier: Wenige haben das Sagen, die Mehrheit hat das
gefälligst nicht zu kritisieren.
Er habe die
Erfahrung gemacht, dass er von Hartmann belogen wurde und
dass Hartmann den Inhalt vertraulicher Gespräche weiter
gab.
Dieser Satz aus dem Bericht auf Bruchsal.org zitiert den
Noch-Fraktions-Vorsitzenden Holoch. Nun sollten auch die
strammsten Hartmann-Fans und Dolchstoß-Legenden-Verbreiter
etwas stiller werden und in sich gehen.
Abschließend
erklärte Herr Holoch, dass er sich nicht erneut um das Amt
des Fraktionsvorsitzenden bewerben
wolle.
Da werden einige froh darüber sein, einige werden es
bedauern. That´s life, folks...
Die Sitzung
endete mit einer zumindest für altgediente
CDU-Sitzungsbesucher bemerkenswerten Note insoweit, als
nicht, wie lange Jahre üblich, die Versammlung mit dem
gemeinsamen Singen der Nationalhymne ausklang.
Zusammenhänge mit dem Unbehagen des Singens von "Recht"
neben "Einigkeit und Freiheit" erscheinen jedoch wohl als
konstruiert.
Nana, böser Berichterstatter! Muss das denn sein, so auf
eine gebeutelte Partei einzuschlagen?
Im Ernst: Wenn man sich das alles so durchliest und
möglicherweise auch auf eigene Erfahrungen aus einer
Parteimitgliedschaft zurückgreifen kann, dann wird einem
klar, warum immer weniger Menschen Mitglied werden wollen.
Warum die Verdrossenheit so zunimmt, warum die
Wahlverweigerer immer mehr werden.
Nicht nur bei der CDU in Brusl, überall im Land und bei
allen Parteien gibt es diese eitlen Selbstdarsteller, diese
Intrigen-Profiteure, diese elenden Machtverliebten. Es
menschelt auch da immer dreister und unverschämter.
Schade drum...
A.S (18.09.09)