Das Brusler Kandidaten-Karussell

In einer Woche ist es so weit. Der Brusler Bürger darf sich für eine(n) Kandidat(in) entscheiden und seinen OB wählen. Dann ist wieder 8 Jahre lang Ruhe im Karton, er, der Wähler, möge gefälligst goutieren, was sein "Souverän" in seiner gewählten Herrlichkeit für gut oder schlecht befindet. Tja, so sind wir Brusler es seit langen Jahren gewöhnt. Und wir haben den gleichen OB immer wieder treu erkoren.

Doch nun, ja nun bricht eine neue Zeit an. Die auch hier kritisierte fehlende Auswahlmöglichkeit an Kandidaten ist einer Vielzahl gewichen, wenn auch die Parteien sich weiter auffallend zurückhaltend geben.

Die Frage ergibt sich nun, wie sich die kandidierenden Herrschaften darstellen, was sie an Prioritäten setzen, wo sie ihre Schwerpunkte für die Zukunft sehen. Wissend, dass zwischen Ankündigung und nachfolgender realer Amtsausübung in den allermeisten Fällen tiefe Klüfte gähnen, soll hier doch der Versuch gemacht werden, die Kandidat/innen aus subjektiver Sicht ein wenig einzuordnen und gegebenenfalls zu vergleichen.

Gehen wir's an und tun wir es in alphabetischer Reihenfolge. Übrigens: Wollen Sie sich die Homepage der einzelnen Kandidaten ansehen, dann klicken Sie bitte einfach auf das jeweilige Foto.
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Hans-Peter Biedermann (Bild links) ist Mitglied der CDU, seine Ehefrau bei der FDP, der Mann tritt jedoch ohne Unterstützung der schwarzen Kameraden an, ein auf den ersten Blick verwirrendes politisches Kuddelmuddel, aber nicht gänzlich ohne einen gewissen Charme.

Sieht man sich den Video-Auftritt Biedermann's auf Kraichtal-TV an, dann könnte bei vielen Betrachtern der erste Eindruck von der Person sein, dass es sich um einen betulichen, Medien-unerfahrenen Mann handelt. Selten blickt er seinem Gegenüber in die Augen, ab und zu grinst er recht unsicher in die Kamera. Er scheint aber enorm von sich und seinen Fähigkeiten überzeugt zu sein.

Als seine Ziele nennt er das Einsparen von Geld indem man den Gemeinderat an Sitzen verkleinert und die Ortschaftsräte abschafft, da würde unnötig Geld für Sitzungsgelder verschleudert. Naja, ob das die Stadt in der Verschuldung effektiv entlastet sei dahingestellt. Bestimmte Arbeitsgebiete will Biedermann aus der Verwaltung ausgliedern und privat vergeben, z.B. die Stadtplanung. Neudeutsch nennt man das heutzutage "Outsourcing" und diese amerikanisierte Maßnahme der politischen Unübersichtlichkeit ist zu Recht von Jahr zu Jahr umstrittener.

Ansonsten ist wenig von politischer Originalität und solider Vorstellung vom Amt des OB feststellbar.
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Auf dem Bild rechts sehen Sie den Bewerber Florian Hartmann. Er ist der von der Brusler CDU unterstützte Kandidat.

Der Mann spricht überwiegend in Satzbausteinen à la "Ich lerne interessante Menschen kennen" oder "Die Menschen in Bruchsal nehmen am Wahlkampf Anteil". Er pflege einen "offenen, kooperativen Führungsstil". Diese und ähnliche Sätze kennt man zur genüge aus Radio, Fernsehen und Zeitungen, sei es von Politikern aus Berlin, Stuttgart oder Hintertupfingen. Geschenkt.

Ansonsten versichert der Mann, er wolle als OB die Brusler Innenstadt beleben, er wolle sich für Familienpolitik stark machen und für Arbeitsplätze kämpfen. Auch der noch-OB Doll hat verbal ähnliche Sprüche abgelassen, wurde dann aber wohl von den üblichen "Sachzwängen" in seine Schranken gewiesen. Und Letzterer gab es fürwahr viele.

In Sachen SEPA meint Herr Hartmann, diese Entscheidung des Gemeinderates müsse man akzeptieren.
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Thomas Heber (Bild links) ist ein in vielerlei Hinsicht aus dem Rahmen fallender OB-Kandidat. Er lebt von seinen Ersparnissen und erworbenem Vermögen, er steht offen und unverklemmt zur Meditation und vor allem spricht er in keiner Weise in Floskeln.

Er wolle für einen Bewußtseinswandel in Brusl und bei den Bruslern kämpfen, ihn interessiere vor allem, was die Bürger der Stadt wollen und er trägt das durchaus glaubwürdig und menschlich verständlich vor.

Heber möchte den Bahnhofsplatz aufwerten, für Radwege sorgen, er möchte aus Brusl eine Einkaufsstadt ohne Filialisten sondern mit individuellem Einzelhandel machen. Und er betont klar und eindeutig, dass er die mehr als umstrittene Entscheidung für SEPA rückgängig machen werde, wenn er denn gewählt werde.

Thomas Heber kommt glaubwürdig und unverstellt rüber. Das unterscheidet ihn von einigen Anderen.
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Rechts sehen Sie den Kandidaten Peter Metzka, er ist Rechtsanwalt in Brusl und er macht einen souveränen und sachlichen, dennoch menschlichen Eindruck. Er legt Wert auf seine politische und finanzielle Unabhängigkeit und betont, dass er dadurch keinerlei Verpflichtungen und keine Abhängigkeiten kenne.

Metzka möchte sich für die Stärkung der Familien, für bessere Kinderbetreuung, für Förderung der Schulen einsetzen. Bezüglich der Finanzen der Stadt betont der Mann, er könne und wolle zum derzeitigen Zeitpunkt keine Versprechungen machen. Sollte er gewählt werden, dann wolle er zunächst mal einen Kassensturz machen und dann nach zu setzenden Prioritäten handeln.

Bezüglich SEPA erklärt er, diese Entscheidung habe ihn letztlich überhaupt zu seiner Kandidatur bewogen. Er wolle alle Verträge prüfen und dafür sorgen, dass dieser bei der Brusler Bevölkerung ungewollte Beschluss rückgängig gemacht werde.
In diesem Punkt also die gleiche klare und unmissverständliche Ansage wie bei Thomas Heber.
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Links die bisher am längsten aktive und von den meisten Parteien in Brusl empfohlene und unterstützte Cornelia Petzold-Schick.

Bei ihr ist am deutlichsten die Erfahrung als Bürgermeisterin in Ettlingen sicht- und hörbar, was selbstverständlich ein Vorteil, andererseits durchaus auch ein Nachteil sein kann. Manch einer könnte auf die Idee kommen, sie sei eben durch ihre jetzige Tätigkeit bereits geimpft und quasi "verbogen". Prompt beklagt die Dame bei Kraichtal-TV auch umlaufende Gerüchte zu ihrem Nachteil.

Frau Petzold-Schick reizt die Herausforderung des Amtes, sie möchte das "Wir-Gefühl" der Brusler stärken, gemeinsam mit dem Gemeinderat die künftigen Haushalts-Eckpunkte festlegen. Sie wolle ehrlich und offen mit allen Bürgern und Parteien diskutieren, die Menschen mehr und besser in die Entscheidungen einbeziehen und aus Brusl eine "Wohlfühlstadt" machen. Hoffentlich ist das nicht zuviel des "Friede-Freude-Eierkuchen", Frau P.-S....

Zu SEPA stehe sie kritisch, diese Entscheidung hätte besser kommuniziert werden müssen, meint sie. Wo sie Recht hat, hat sie Recht.
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Last no least sehen wir rechts den Kandidaten Jens Skibbe, seines Zeichens frisch gewählter Stadtrat und amtierender Ortsvorsteher von Obergrombach.

Er bleibt im Kraichgau-TV-Interview seltsam konturlos und unverbindlich. Er wolle mehr Bürgernähe (wie oft haben wird alle das schon gehört?) und sich für Bildungspolitik einsetzen. Huch, wie originell und revolutionär!

Jens Skibbe bemüht sich in Allgemeinplätzen und bleibt immer und in allem unkonkret. Einzig in einem Punkt wird er deutlich: Seine Sangeskünste würden im Falle der Wahl zum OB von Brusl jedenfalls in der Öffentlichkeit weniger werden. Hierzu darf nun jeder für sich entscheiden, ob dies eine Drohung oder ein Versprechen ist.
So, das war nun ein Parforce-Ritt durch die Brusler OB-Bewerber/innen. Jeder möge nun seine Wahl im Wortsinne treffen und alle sollten wir darauf hoffen, dass es den/die Richtige/n trifft.

Denn eines ist sicher: Es kann nur besser werden, denn die Hoffnung stirbt zuletzt.

A.S (05.07.2009)