Außer Spesen
nichts gewesen
Spötter unter uns werden
lästern, es sei endlich Zeit und auch gut so, dass dieses
Wahlgedöns mit dem heutigen Tage ein Ende hat. Irgendwann
ist man es leid, im Fernsehen dauernd mit irgendwelchen
Wahl-Werbe-Spots mehr oder weniger obskurer Parteien oder
Gruppierungen genervt zu werden. Man hat sich satt gesehen
an den überall im Stadtgebiet herumhängenden Plakaten mit
den immer wieder gleichen Sprüchen und/oder Gesichtern
drauf. Es ist nun wirklich genug und das ist auch gut so.
Viel interessanter ist allerdings die Frage, was - jetzt
mal auf die Kommunalwahlen bezogen, denn die Sprüche zur
Europawahl haben nun mal keinerlei örtlichen Bezug - uns
allen die Wahltrommler nahezubringen versuchen.
Wie erwähnt, die Plakate bleiben im Gedächtnis hängen wie
ein Schluck Wasser auf einer senkrechten Wand. Also - mal
wieder - auf ins Internet.
Hier die (durchaus subjektiven) Ergebnisse einer kleinen
Betrachtung:
Lassen Sie uns mit der
CDU anfangen, der seit unendlichen
Zeiten regierenden Mehrheits-Partei im konservativen Brusl.
Sie hat nach recht langer Zeit der Nicht-Präsenz im
Internet jetzt wieder eine Homepage. Doch was macht diese
erfolgsverwöhnte und in vielen Belangen durchaus hochnäsige
Partei damit, wie präsentiert sie sich?Mit ihren
Riesen-Plakaten im gesamten Stadtgebiet ist sie den Wählern
eh schon genug auf den geschundenen Geist gegangen. Ein
Trauerspiel, dass diese Teile nunmehr auch noch auf der
eigenen Homepage nochmal wie sauer Bier angeboten werden.
"Menschen wie Du und ich", diese Plattitüde beleidigt den
Verstand vieler Betrachter, wenn er diese Leute dann auch
noch vor ihrem eigenen Plakat herumstehen sieht.
Regelrecht unerträglich wird die Sache aber, wenn man dann
auch noch das gemeinsame Plakat von CDU, FDP und der FWV
als das betrachtet, was es zu großen Teilen auch ist:
Schleichwerbung für eine Boxer-Firma.
Viele Brusler haben sich bestimmt schon lange gefragt,
woher die CDU dieses Jahr so viel Geld hat, um die
Riesen-Plakate, die Broschüren und sogar einen Werbe-Spot
zu finanzieren.
Naja, bei der CDU redet man nicht von der Finanzkrise.
Man handelt und sorgt für Umsatz und Wirtschaftswachstum.
Kommen wir zum nächsten Kandidaten, der Brusler
SPD.
"Bruchsal braucht einen Neuanfang" heißt es da recht
euphemistisch und offensichtlich will man dem Wähler den
Eindruck vermitteln, dass er mit seinem Kreuz in der
SPD-Spalte das System Brusl quasi resettet, will sagen neu
startet.
Schaut man sich dann die aufgebotenen Kandidaten etwas
näher an, dann kommt man schnell zu der Erkenntnis, dass
diese Behauptung doch ziemlich gewagt ist. Da findet man
nämlich ganz oben auf der Liste lauter ältere Damen und
Herren und fragt sich als Schelm vielleicht, ob da bewusst
geriatrische Ziele verfolgt werden sollen.
Alle Kandidaten, die jünger als 40 sind, tauchen viel
weiter unten auf.
Aber wir kennen das ja alle zur Genüge: Irgendwann
erreichen auch manche Stadträte einen Zustand der geistigen
Erleuchtung, der ihnen suggeriert, ohne sie und ihre
profunde Erfahrung gehe gar nichts. Da entstehen dann Sätze
wie der folgende:
"Nach vier Tagen Ausflug -
in dreifacher Funktion: als Vertreterin der SPD- Fraktion,
als Vorsitzende des Partnerschaftskomitees Sainte-
Ménehould und als Repräsentantin des Partnerschaftskomitees
Cwmbran - über Pfingsten (zwei Tage Regen!) in die Toskana
zur Unterzeichnung des Freundschaftsvertrags zwischen
Heidelsheim und Volterra bin ich ziemlich
ermattet."
Merken Sie, wie aufopferungsvoll die auf Platz 1
stehendende Frau Langrock sich für Brusl und die nichts
wissenden Wähler verkämpft? Also bitte: Ironie-Schalter auf
Aus!
Hier also dann die
FDP, die
(Neo-)Liberalen, die Vorkämpfer für eine Welt der
ungebunden für den eigenen Wohlstand Kämpfenden.
Die Brusler Blau-Gelben sind im Grunde ein bunt
zusammengewürfelter Haufen von Abtrünnigen verschiedener
anderer Parteien und das muss ja nicht unbedingt etwas
Schlechtes sein.
Ihr Wahlmotto lautet diesmal "Einsatz für Bruchsal", ein
wahnsinnig origineller Spruch, oder? Man könnte ansonsten
womöglich auf die aberwitzige Idee kommen, die Kandidaten
dieser Partei würden sich möglicherweise für Hamburg, oder
München oder gar den Mond ins Zeug legen.
Tun sie natürlich nicht, keine Bange.
Ach ja, wenn man , warum auch immer, Näheres wissen will zu
den Vorstellungen und Ideen dieser Leute, dann muss man
sich erstmal ein großes Dokument herunterladen und
durchlesen. Man kann es aber auch bleiben lassen, es sind
überwiegend schöne Fotos von mehr oder weniger schönen
Menschen. Trommeln gehört zum Handwerk, klar. Aber bitte
nicht so laut...
Womit
wir bei der
FWV gelandet
wären.
Die machen es sich von vorneherein recht leicht, indem sie
einfach schreiben, man möge in ihre Wahlzeitung
reinschauen.
Sie ahnen es sicher schon: Runterladen und...naja. Auch
hier handelt es sich um das, was wir alle schon mal im
Briefkasten hatten und das fast sofort den Weg zur
Altpapiersammlung gefunden hat. Wie auch bei der FDP ein
dröges Wahlprospekt. Und mal ehrlich, dass die "Karten neu
gemischt" werden, das haben wir schon zu oft lesen dürfen.
Zum Schluss noch die
Grünen. Man
erfährt erstmal, dass sie auch diesmal wieder mit den Neuen
Köpfen gemeinsam antreten. Wer hätte das gedacht...
Immerhin, das Wahlprogramm ist komplett auf der Homepage
vorhanden, wenn auch in recht kleiner Schrift. Ansonsten
der Hinweis auf die OB-Kandidatin Petzold-Schick. Viel mehr
ist auf der drögen Seite nicht vorhanden. Ein, zwei Klicks
und man hat genug.
Was lernen wir? So langweilig und völlig uninspiriert ist
der Wahlkampf in Brusl.
Aber mal ehrlich: Wir haben es geahnt, oder?
A.S (07.06.09)
P.S.: Ach übrigens: Wetten, dass sich nach der Wahl alle
Parteien beim „Wähler“ bedanken werden? Egal, wie gut oder
schlecht sie abgeschnitten haben. Und gewonnen haben eh´
alle...