Ehrenbürger-Gaudi

Fangen wir mal mit unserem hochverehrten OB Doll an, einem Mann, der in seinen letzten Dienst-Zügen liegt, der seine Bilanz nochmals quasi hechelnd aufzupolieren versucht und dabei kräftig unterstützt wird. Da kommt es auf ein Gläschen Sekt, wie auf dem Foto links dargestellt, nicht an.
Vor ein paar Tagen wurde es öffentlich bekannt, dass man im Rathaus die Absicht habe, den guten Nadolleon zum Ehrenbürger der Stadt Brusl zu ernennen, eine Ehre, die das Ego des kleinen Mannes sicherlich um einiges erhöhen und befördern würde. Dabei hat man sich allerdings in vorauseilendem Gehorsam, einer in den Amtsstuben langgeübten Praxis, etwas zu früh und gleichzeitig zu weit vorgebeugt. Initiator (jedenfalls nach außen hin...) dieser Politkomödie war Bürgermeister Hockenberger, der aber einfach übersehen hatte, dass dieses hehre Ansinnen einen herben Beigeschmack hat, wenn es noch während der Laufzeit des zu Ehrenden beraten und beschlossen werden soll. Daran ändert auch nichts die Tatsache, dass dies in einer Nicht-Öffentlichen Sitzung geschehen wäre.
Das aber ist nun der Punkt auf den sich Hocki, einer beleidigten Leberwurst gleichend und den Hyper-Demokraten spielend, kapriziert: "Wenn nichtöffentliche Tagesordnungspunkte von Mitgliedern des Gemeinderates öffentlich diskutiert werden, bedeutet dies mittelfristig eine Entwertung des Hauptorgans Gemeinderat." Dies teilte unser Kommunal-Staatsmann der Zeitung mit und sprach damit etwas an, was nicht nur ihm sondern auch der Brusler Rundschau gar nicht schmecken mag: Eine Internet-Zeitung, die sich das Recht herausnimmt, einfach über alles kritisch und aufmerksam zu berichten, ohne vorher im Rathaus nachzufragen, ob genehm.
Ins gleiche Horn stößt dann auch der ehemalige CDU-Fraktionsvorsitzende Valentin Gölz. Er wurde von einem Redakteur des "Bruchsal.org" gemeinsam mit vielen anderen Stadträten zu dieser frühen Ernennung Dolls angefragt. Und seine Reaktion darauf lautet u.a.: "Sehr geehrter Herr Schmitt, meine Meinung ist, dass Sie das, wovon Sie schreiben, gar nicht wissen dürfen, und dass Ihnen damit jede Berechtigung fehlt, der CDU oder sonst jemanden dazu Fragen zu stellen oder Vorschriften machen zu wollen." Auch ein wahrer Demokrat, der Herr Gölz. Der Bürger habe erst nach mehreren höflichen Kotaus anzufragen, in diesem Falle aber unter sofortigem Vergessen aller Kenntnisse, die er schon mal gar nicht haben darf.
Jedenfalls haben es diese Internet-Piraten letztlich geschafft, dass man den total vergeigten Antrag erst mal ausgesetzt hat. Und der uns allen hinreichend bekannte Redakteur Streib hat dann auch nicht vergessen, vorbeugend festzustellen: "Grundsätzlich bestehe in den Fraktionen jedoch weitgehend Einvernehmen darüber, dass der langjährige OB einer Ehrenbürgerschaft würdig sei, so hieß es." Interessante These, oder?

Geradezu zu prustendem Lachen brachte mich seine nachfolgende Erklärung: "Ich hätte es mir leicht machen können, indem ich dem Vorhaben einen negativen Touch gegeben hätte. Das hätte mich aus der Schusslinie gebracht, aber es wäre unehrlich gewesen und vor allem wäre wichtiges Vertrauen verspielt worden." Ach Gottchen, da steht er nun, unser Fels in der Brandung, und kann nicht anders. Ein schöneres Zitat hätte Streib in seinem Artikel kaum bringen können. Es ist schon herrlich entlarvend, wenn Doll sich da als der eisern Widerstand leistende Held darzustellen versucht. Man denke doch nur mal an die vielen anderen Projekte, die er plötzlich abgeblasen hat, weil ihm der Wind zu sehr ins Gesicht blies - Gartenschau, Einkaufszentrum Prinz-Wilhelm-Straße mit der JKG-Rampe usw.
Das alles soll nunmehr also gnädig unter dem Mantel des Vergessens verschwinden, um nochmals auf die Ehrenbürgerschaft anzuspielen. Ein wahres Meisterstück der Verdrängung gewisser Realitäten.
Schließlich dann noch die CDU-Fraktion, von der sich Doll ja schon mehr oder weniger verabschiedet hatte. Die Jungs dort haben allem Anschein nach enorme Probleme mit dem Finden und Küren eines neuen Fraktionsvorsitzenden, wie die Brusler Rundschau heute auch vermeldet. Von großen Meinungsverschiedenheiten ist da die Rede und von Gerüchten, wonach die Entscheidung wohl zwischen Holoch und Brüstle schwanke.
Womit diese Fraktion und diese erfolgsverwöhnte Partei in ihrer Großmannssucht nichts gelernt hätte. Aber warten wir es ab...
brusella (22.09.09)