Adieu Nadolleon...
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Es fehlt nur noch die Trauer-Beflaggung, Wehmut, Schmerz, fast schon Verzweiflung herrschen im amtlichen und im veröffentlichten Brusl: Bernd Doll, der OB der Stadt über 24 Jahre, der Duodez-Herrscher, unser Nadolleon, er geht in den wohlverdienten Ruhestand.

Uff.

"Der Tag des Loslassens. Des Abschied Nehmens. Oder: Oberbrgermeister Bernd Dolls Einlauf in die Stadionrunde des Abschiedmarathons."
So dichtet das Presseamt der Stadt auf der Brusler Homepage und man hat gleich zu Anfang das Bedürfnis, sich ein Tränchen aus dem Augenwinkel zu wischen. Aber die emotionalen Belastungen werden noch größer:

"Die Stadt war Ihr Leben weshalb ich Ihnen im Namen der Brgerschaft Danke sagen möchte – es war eine gute Zeit." formulierte der Bürgermeister Hockenberger und es huscht einem sogleich der Gedanke durch die Gehirnwindungen, wonach am meisten am offenen Grab und bei Verabschiedungen geflunkert wird. Wir wissen natürlich nicht, ob Hockenberger die "Bürgerschaft" durch Infratest-Dimap hat befragen lassen.

"Die positive Entwicklung Bruchsals halte an, die Stadt habe einen vielfältigen und vorzeigbaren Arbeitsmarkt, die Infrastruktur auf Schiene und Straße sei sehr gut ausgebaut, und als Bildungsstadt rangiere Bruchsal auf hohem Niveau."
So hat sich MiPrä Oettinger laut Presseamt über Doll ergossen. Bei der angeblichen Bildungsstadt hat er sich aber schon ein wenig zu weit aus dem Fenster gelehnt, denn die IU ist futsch und die Schulen platzen teilweise aus den Nähten. Was der/die brave Schreiber/in gerne nicht erwähnt hat, das - toll Herr Streib, mutig! - hat die Brusler Rundschau angemerkt:
"Als der Ministerpräsident Bruchsal sinngemäß als großartige Einkaufsstadt pries, gab es dann doch etwas Gemurre unter den rund 800 Gästen."
Das ist nur ein weiterer Beleg dafür, wie offensichtlich schludrig die Redenschreiber Oettingers sich über Doll und die Stadt informiert haben.

Auch Ivo Gönner, OB von Ulm und Städtetagspräsident in Nachfolge von Doll, ließ sich auf die Lobhudelei ein:
"Aus Bruchsal heraus waren Sie auch in der Umsetzung Ihrer Ziele Vorbild fr viele Kollegen."
Na, das wollen wir aber doch nicht hoffen, wenn wir ehrlich sind, Herr Gönner, oder?

Was war und ist unser Ex-OB denn nicht alles, sagenhaft:
"Leuchtturm im Landkreis" laut Landrat Schnaudigel. Das scheint mir auf etwas schwankenden Planken formuliert zu sein. Aber der Knaller ist schon irgendwo folgender Satz:
"Sie haben verstanden, dass die Armee eine Seele hat, und den Soldaten im Einsatz das Gefhl gegeben, dass die Stadt hinter ihnen steht – das hat uns gut getan."
General Liechtenauer (unter diesem Dienstgrad geht natürlich nichts) stieg von der Eichelberg-Kaserne herab um dann gleich im dumpfen, modrigen Keller der maßlosen Übertreibung zu landen. Die Armee hat eine Seele, je nun, auch die Sonne dreht sich um die Erde. Die Soldaten im Einsatz haben stets vor Augen, dass unser Brusl hinter ihnen steht. Meine Fresse, nichts gegen das Aufhübschen von Marginalien, aber das scheint mir nun doch die Grenzen des Zumutbaren zu sprengen.

Fast schon goldig dann allerdings, wie unser Brusl-Chronist Streib aus dem Artikel des Presseamtes fast wörtlich abgeschrieben hat. Hier das Original:

"Zu vorgerckter Stunde freilich entfhrte Stadtbrandmeister Ullrich Koukola OB Doll und die Festgäste auf den Rathausplatz, wo unter Mondesschein und Fackelflattern die Feuerwehrabteilungen nebst des Heidelsheimer Spielmannszugs und der Fahnenschwinger sowie der Fanfarenzug und die Stadtkapelle auf ihre ganz persönliche Weise Bernd Doll Danke und auf Wiedersehen sagten."

Und hier die Brusler Rundschau:

"Zu vorgerckter Stunde auf dem Rathausplatz sagten unter Mondesschein und Fackelflattern die Feuerwehrabteilungen nebst des Heidelsheimer Spielmannszugs und der Fahnenschwinger sowie der Fanfarenzug und die Stadtkapelle Danke und auf Wiedersehen."

Mondesschein und Fackelflattern, zwei Begriffe die einem bei der Zeitungs-Lektüre regelrecht ins Auge sprangen - und dann die gleichen etwas angestaubten Worte im Text des Presseamtes.

Genug des Tränenmelkens in und um Brusl. Bernd Doll ist in Pension, seine geschätzte Gattin hat ihn nun dauernd auf der Matte. Aber das ist ihr Problem.

brusella (01.10.09)